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"Ukrainische Soldaten töteten meinen Sohn" – Gerettete Einwohner berichten über Blutbad in Mariupol

Die Einwohner Mariupols sind stark traumatisiert. In den Flüchtlingsunterkünften erzählen sie vor der Kamera über die Bluttaten der ukrainischen Nationalisten. Das russische Verteidigungsministerium verweist auf weitere Gräueltaten und nennt Asow-Kämpfer "Terroristen".
"Ukrainische Soldaten töteten meinen Sohn" – Gerettete Einwohner berichten über Blutbad in MariupolQuelle: Gettyimages.ru © Anadoly Agency

"Er und sein Sohn standen neben dem Haus, zusammen mit einem Nachbarn. Dann kamen sie (ukrainisches Militär) mit diesem Rohr (Antipanzerrakete) und schossen auf das Umspannwerk. Die Splitter töteten meinen Sohn Wadim. Er wurde am 11. März 51 Jahre alt und am 14. ist es passiert. Und dem Enkelsohn, er ist 20 Jahre alt, haben sie die Beine gebrochen."

An dieser Stelle beginnt die Frau, die das erzählt, zu weinen.

"Wie? Sie können sich nicht vorstellen, welch eine Hölle das ist. Ich habe auch einen Splitter im Arm, mein Mann ist krank und bettlägerig." Sie zeigt auf einen älteren Mann, der links neben ihr liegt. "Wir wissen nicht, wo die Tochter sich befindet und wo die Enkelin ist."

An dieser Stelle ändert sich die Kameraeinstellung und zu sehen sind ein größerer Raum mit Matratzen auf dem Boden und Menschen, die auf ihnen sitzen und liegen. Es ist eine provisorische Flüchtlingsunterkunft, das Video postete der Telegram-Kanal Donbass entscheidet. Die Frau, die ihre Leidensgeschichte erzählt, heißt Nadeschda Wladimirowna. Der Kanal hat 73.000 Abonnenten und der Beitrag, der am 25. März gepostet wurde, wurde inzwischen fast 800.000 Mal aufgerufen. Das Video ist inzwischen auch auf vielen weiteren russischsprachigen Internetplattformen zu sehen.

Überprüfen lassen sich die Angaben von Nadeschda Wladimirowna nicht. Man sieht jedoch, dass die Aufnahme in einer ungezwungenen Situation stattfindet, mehrere Anwesende reagieren mit Zustimmung. "Im Hof liegen Leichen, der ganze Hof ist mit Leichen umsäumt", setzt sie ihre Erzählung fort. Die Kameraeinstellung ändert sich wieder, die Frau kommt auf ihre Familiengeschichte zurück.

"Sie waren so frech. Am 14. töteten sie den Sohn. Am 15. kletterten sie über den Balkon in die Wohnung der Schwiegertochter, um sich dort Kleidung zu holen. Sie sagte ihnen: "Ihr habt meinen Mann getötet und meinen Sohn verletzt." Die Frau weint wieder, eine weitere Person im Raum schluchzt. "Wie geht das denn? Sie haben sie getötet und verletzt, nahmen ihre Kleidung und sind gegangen." Die Frau kommt aus dem Weinen nicht heraus, damit endet das Video.

Ist diese Erzählung eine zuverlässige Informationsquelle über die Art und Weise, wie das ukrainische Militär Mariupol, die umkämpfte Großstadt am Asowschen Meer "verteidigt"? Einige Indizien sprechen dafür. Auffällig ist zumindest, dass Schilderungen wie diese mit Dutzenden weiteren Angaben übereinstimmen, die Überlebende in diesen Tagen Journalisten gegenüber äußern. Zudem liefert sie Hinweise darauf, dass beispielsweise die Infrastruktur für die Energieversorgung der Stadt vom ukrainischen Militär bewusst zerstört wurde. Die Zerstörung der Infrastruktur war bislang immer ein von ukrainischen Behörden an Russland gerichteter Vorwurf, der auch von den westlichen Medien vorbehaltlos übernommen wurde.

Die Frau im Video beschreibt außerdem ein typisches Verhaltensmuster eingekesselter ukrainischer Militäreinheiten – nämlich der Einkesselung in ziviler Kleidung unbemerkt zu entkommen. Alle herausfahrenden Autos werden vom russischen Militär oder der Donezker Volksmiliz kontrolliert, wobei Männer ihren Oberkörper freimachen müssen, damit mögliche Tattoos, die unter Nationalisten populär sind, leichter entdeckt werden können. Vor einigen Tagen machte eine weitere grausige Geschichte in den russischen Medien die Runde. Asow-Kämpfer hatten angeblich die Eltern zweier Kinder getötet und das Auto der Familie für die Flucht beschlagnahmt. Die beiden verwaisten Kinder dienten den Tätern zur "Tarnung". Der Vorfall schaffte es bis die in tägliche Pressemitteilung des russischen Verteidigungsministeriums:

"Am 20. März 2022 töteten Terroristen des Asow-Bataillons die Eltern zweier minderjähriger Kinder und versuchten unter dem Deckmantel eben dieser Kinder, Mariupol in einem Auto der Familie über einen humanitären Korridor in Richtung Saporoschschje zu verlassen, wurden jedoch von russischen Soldaten entdeckt und umgehend festgenommen, wobei die Kinder gerettet und mit der notwendigen Hilfe versorgt wurden", teilte der Leiter des Nationalen Zentrums für Verteidigungsmanagement Russlands, Michail Mizinsew, am 22. März mit.

Das Verteidigungsministerium berichtet auch über andere Verbrechen gegen Zivilisten. So sollen in einem von Russland besetzten Vorort der ostukrainischen Millionenstadt Charkow Kämpfer einer Einheit der Territorialverteidigung in sogenannten "Banderolenmobilen" die Warteschlangen vor Geschäften, Geldautomaten sowie Lebensmittel- und Trinkwasserstellen mit Mörsergranaten beschossen haben. Bei dem Angriff sollen drei Menschen getötet und zehn verwundet worden sein. Auf diese Weise werde die Annahme der russischen Humanitärhilfe verhindert. In vielen von Russland kontrollierten Orten beschlagnahmen die Nationalisten die russischen Hilfspakete von den Hilfesuchenden wieder und verbrennen sie.

Die Aktivität der ukrainischen Aufklärungs- und Sabotagegruppen in diesen Gebieten führt auch zu Nervosität beim russischen Militär. So soll es zu Tötungen von Zivilisten durch russische Soldaten gekommen sein. In einem in den ukrainischen Medien verbreiteten Video des US-Staatsenders Current Time erzählt ein 14-jähriger Junge, wie sein Vater von einem russischen Soldaten erschossen wurde. Er selbst entging dem Tod nur knapp. Passiert sein soll dies im Gebiet Kiew. Beide waren mit Fahrrädern unterwegs, um russische humanitäre Hilfsleistungen zu holen und stießen dabei auf einen russischen Kontrollposten. Die Mutter zeigte Fotos des Getöteten. Nach seiner Bestattung hat sie mit ihrem Sohn den Ort verlassen. Das Video wurde offenbar in einer Flüchtlingsunterkunft im Westen des Landes oder im Ausland aufgenommen.

Der tragische Fall zeigt, dass trotz der von Russland erklärten Absicht, nur auf militärische Ziele zu schießen, auch teils Unbeteiligte nicht verschont bleiben. Entweder kommen sie beim Beschuss militärischer Ziele um, weil sie sich in der Nähe aufhielten, oder sie werden Opfer von Fehlschlägen oder Verwechslungen.

Berichtet wird auch über "friendly fire" vonseiten des ukrainischen Militärs oder gar "false-flag"-Attacken mit dem Ziel, unter der Zivilbevölkerung noch mehr Hass auf die "russischen Besatzer" zu entfachen. Denn jeder Schlag gegen die Zivilbevölkerung wird in den ukrainischen Medien natürlich der russischen Seite angelastet. Außerdem hat sich die ukrainische Führung laut dem Präsidialamt für eine Strategie der sogenannten "totalen Verteidigung" entschieden, die eine militärische Nutzung auch der zivilen Infrastruktur und der Wohnhäuser vorsieht.

Demnach werden Militärstäbe, Kasernen und Waffendepots in Schulen, Krankenhäusern, Kindergärten und administrativen Gebäuden eingerichtet, womit auch diese Gebäude klar zu Militärzielen werden. Außerdem werden die russischen Positionen aus Häusern und Wohngebieten beschossen, um für die Einwohner und Bausubstanz verheerende Rückschläge zu provozieren. Diese Strategie wird inzwischen international kritisiert. So titelte etwa die Washington Post am 28. März: "Russland tötete Zivilisten in der Ukraine. Kiews Verteidigungstaktik verschärft die Gefahr". 

Während in der westlichen Presse nach wie vor über das angeblich ausschließlich von Russland verursachte Leid der Zivilisten berichtet wird, zeigt ausgerechnet das offizielle Kiew wenig Interesse daran, Zivilisten aus dem Kriegsgebiet und den Gefahrenzonen zu evakuieren und zu versorgen. Die Verweigerung von Flüchtlingskorridoren in Mariupol hat zum Tod von sehr vielen, noch gar nicht gezählten Menschenopfern geführt. Ebenso kostete die unkontrollierte Ausgabe von Feuerwaffen, die Suche nach möglichen Sabotage-Gruppen und die damit verbundene "Spionomanie" bislang allein in Kiew Dutzenden von Menschen das Leben, weil Bewaffnete auf "Verdächtige" schossen oder die ausgegebenen Waffen für kriminelle Zwecke eingesetzt wurden.

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